Travel Blogs by Travellerspoint

Chile

das war chile...

ein kleines "torres del paine" resumée

die "torres", das grosse ziel unserer reise - jetzt ist es vorbei.... es ist ein bisschen wie beim kochen: lange zeiten der vorbereitung und aufregung, ob auch alles klappt und dann ist es ganz schnell gegessen. und hat´s geschmeckt? also uns schon! was haben wir auf dem sofa gesessen, reisefuehrer gewaelzt, fotos im internet angesehen, informationen eingeholt und uns unsere eigene torres del paine welt vorgestellt. und dann erlebt man es doch immer wieder anders. so, als wuerde man den film zum buch sehen.
der torres del paine nationalpark ist in unseren augen schon ein besonderes stueck natur: wo in der welt kann man so viele verschiedene vegetationszonen auf nur tausend hoehenmeter verteilt sehen: waelder, steppe, krueppelbaeume und voellig vegetationslose gletscher und geroellfelder. dazu kommen die unzaehligen fluesse und baeche, deren wasser so klar ist, dass man es ohne bedenken trinken kann. doch das aussergewoehnlichste an diesem fleckchen erde sind vor allem die wolken, die orkanstarken winde und das farbenspiel der natur. in jeder stunde sieht die umgebung anders aus - von neblig grau bis zur voelligen farbuebersaettigung.
die wanderung selbst war eine interessante erfahrung fuer uns. ja, es war sehr anstrengend und ja, wir haben auch viel geflucht, aber am ende des tages sind diese anstrengungen schnell vergessen und man freut sich, oder ist sogar ueberrascht ueber sich selbst, dass man auch diese etappe gut ueberstanden hat. rueckblickend koennen wir sagen, dass diese wanderung schon eine sportliche herausforderung ist und wir uns ein bisschen mehr zeit lassen haetten sollen - sieben tage fuer den circuito sind schon ganz schoen knapp bemessen, weshalb wir auch immer sehr zuegig gelaufen sind. wir denken, man sollte sich mindestens zwei tage mehr zeit nehmen, um z.b. an einem der schoenen zeltplaetze einen ruhetag einzulegen oder einfach mal schlechtes wetter auszusitzen.
mit dem wetter hatten wir im uebrigen grosses glueck. die beruehmten stuerme haben wir nur kurz erlebt und wir koennen uns nicht vorstellen, wieviel anstrengender es sein muss, auch noch gegen diesen wind anzulaufen. die wenigen "feuchten" stunden mit nieselregen und nebel waren bei den ersten sonnenstrahlen schnell vergessen - und die sonne schien wirklich jeden nachmittag.
zu den anderen wanderern, die man unterwegs trifft, entwickelt man schnell ein sehr freundschaftliches verhaeltnis. neben roman, der uns die meiste zeit gesellschaft geleistet hat, gab es auch immer ein grosses wiedersehen mit der truppe israelis am ende jeder tagesetappe. und mit den schweizern haben wir die abschliessenden zwei tage verbracht. jeder hat ja letztendlich dasselbe durchgemacht und wir sind alle auch ein bisschen stolz, dass wir es geschafft haben.

inzwischen sind wir wieder in argentinien. gestern haben wir den verregneten tag in puerto natales genutzt, um unsere sachen waschen zu lassen und dann einfach nur rumzugammeln. zum abschluss und bevor sich alle wieder in die vier himmelsrichtungen verteilen (hier geht ja eigentlich nur nord oder sued) gab es noch ein gemeinses essen und wir haben noch ordentlich gefeiert.

DSC_0833.jpg

Posted by agentin b 15:58 Archived in Chile Comments (0)

die kathedralen patagoniens

auf dem circuito des "torres del paine"

all seasons in one day

1. tag

auf der 2 1/2 stuendigen busfahrt zum nationalpark haben wir genug zeit, uns beim anblick der tiefhaengenden wolken gedanken darueber zu machen, was wohl waere, wenn es nur regnet, das zelt nicht dicht ist, die schlafsaecke nass werden und die rucksaecke immer schwerer. alle anderen scheinen das gleiche zu denken - es ist verdaechtig ruhig im bus.
am parkeingang lassen wir uns registrieren und druecken einen ordentlichen batzen geld an die parkorganisation ab. dann trennt sich die spreu vom weizen - die einen fahren weiter in den park hinein, um das "w" zu laufen, die wenigen anderen, darunter auch wir, setzen sich die rucksaecke auf und beginnen hier den "circuito". mit uns am start sind zwei dreiergruppen israelis, drei deutsche und zwei amerikaner. es dauert nicht lange, bis diese gruppe sich verteilt und wir sind bald allein unterwegs.
es geht durch die typisch patagonische steppe: viel gras, totenstille und weit und breit nur abgebrannte baumstuempfe, die opfer des letzten grossen brandes.
DSC_0647.jpg
das bergmassiv der torres ist nur zu erahnen, die wolken haengen zu tief und es nieselt immer wieder. das einzige leben, was wir entdecken, ist ein aufgeregtes stinktier, durch dessen revier wir anscheinend gelaufen sind.
DSC_0650.jpg
das erste ziel erreichen wir nach etwa vier stunden. da wir noch recht guter dinge sind und es noch viel zu frueh zum zelten ist, entscheiden wir uns, weiterzulaufen. es gibt einen verlassenen zeltplatz auf halber strecke zur naechsten herberge, auf dem wir eventuell uebernachten koennen. auf dem weg dorthin, laufen wir in ein anderes tal hinein, erklimmen schnaufend einen berg und ploetzlich blaest uns ein kraeftiger wind entgegen, der himmel reisst auf und die bergspitzen kommen in sicht.
DSC_0677.jpg
leider verlassen uns mehr und mehr die kraefte, der rucksack drueckt ueberall und die fuesse schmerzen. nach insgesamt sieben stunden erreichen wir den zeltplatz und werden von roman (der einzige, der noch vor uns lief und, wie sich spaeter herausstellen wird, ein kollege von carsten) begruesst. er hat schon ein paar mehr campingerfahrungen und kann uns fuer die erste nacht ein paar gute tips geben.
der zeltplatz ist wirklich schoen, viel gruen und kleine baeume, durch die die sonne scheint. wir verstehen gar nicht, weshalb er nicht weiter benutzt wird.
P1030277.jpg
wir bauen das zelt auf und stellen fest, dass es nun doch ploetzlich erschreckend klein aussieht... zum abendessen gibt es aus deutschland mitgebrachtes fertigfutter "reis-saté", ein paar bananenchips und ein stueck schokolade fuer jeden. es ist schon lustig, sich sein abendbrot so zuzubereiten und nach soviel frischluft, schmeckt alles ganz toll. so nach und nach treffen die sechs israelis ein, der rest ist in der ersten herberge haengengeblieben. wir sind ziemlich fertig, unterhalten uns noch ein bisschen mit roman und gehen, nachdem wir uns die zaehne mit eiskaltem wasser geputzt haben, halb neun ins bett.

2. tag

in der nacht hat es ordentlich gestuermt und unser zelt hat einige verrenkungen gemacht. wir wachen noch vor sonnenaufgang auf, schaelen uns aus unserem schlafsack und sind erleichtert, dass alles trocken ist. der wind hat sich etwas gelegt und wir haben aehnliches wetter, wie am gestrigen morgen: nieselregen, tiefhaengende wolken und dazu jetzt noch ein paar kalte windboeen. zum fruehstueck gibt es kaffee, bruehe und plattgedruecktes weissbrot mit salami (den gewichts-luxus-kompromiss sind wir eingegangen und haben ein paar neidische blicke von roman geerntet - hihi).
kurz vor neun machen wir uns auf den weg, vor uns liegt ein sieben stunden tagesmarsch. der wind kommt immer mehr von vorn und vereinzelte, dicke regentropfen klatschen uns ins gesicht. wir laufen die ganze zeit einem regenbogen hinterher und langsam kommt die sonne heraus. die wolken verschwinden und nach kurzer zeit erblicken wir das camp dickson und den blau schimmernden gletscher des dickson sees. in der herberge gibt es heisse schokolade (wasser, milch- und kakaopulver - wir brauchen ein paar anlaeufe, bis wir die richtige mischung finden) und sogar musik - bob marley ist hier voll im trend.
DSC_0699.jpg
von nun an geht es bergauf. der weg auf der karte kreuzt einige hoehenlinien und vier stunden wandern liegen noch vor uns. wir freuen uns eine ganze weile, dass es doch gar nicht so anstrengend ist und kommen gut voran. nach dem anstieg geht es lange durch den wald. da roman ein recht straffes tempo vorlegt, wir aber auch schnell ankommen wollen, sind wir nach drei stunden ganz schoen k.o. und freuen uns, als die bruecke in sicht kommt, die laut karte kurz vor dem camp liegt. jetzt kann es nicht mehr weit sein, denken wir, als auch schon der genickschlag kommt: vor uns eroeffnet sich ein geroellfeld, der kalte gletscherwind wird so stark, dass er uns staendig aus dem gleichgewicht bringt und es geht nur noch steil nach oben. kein zeltplatz weit und breit.
DSC_0727.jpg
wir sind total bedient, kommen kaum vorwaerts und es wird immer kaelter. voellig kraftlos erreichen wir nach einer weiteren stunde das camp, durchgefroren und muede. mit klammen fingern bauen wir unser zelt auf und tauen in einer improvisierten huette mit ofen (juchu) langsam wieder auf. die spaghetti dampfen in der bruehe und alles wird langsam besser.
wir machen uns mut fuer morgen, denn es wird einer der schwersten tage: die passueberquerung. immer wieder rechnen wir die zeiten durch und welche moeglichkeiten wir noch haben, den gesamten trek in sieben tagen abzuschliessen.

3. tag

zehn stunden schlaf machen uns wieder fit. bis jetzt haben wir nur jeder eine blase zu beklagen. die gelenke und baender schmerzen zwar etwas, funktionieren aber noch ganz gut. zum fruehstueck gibt es heute fertigfutter "muesli - schweizer art", nur kaltes wasser hinzufuegen. das brauchen wir heute auch und so bilden wir uns ein, dass es super schmeckt. auf jeden fall macht es satt - erstmal.
eine aufwaermphase gibt es nicht, es geht gleich ordentlich bergauf, ueber wurzeln, durch morast und immer wieder durch geroell. irgendjemand hat sich die muehe gemacht, und rosa schleifchen als wegmarkierung liebevoll an die baeume gebunden. nur leider hat sich keiner die muehe gemacht, den weg auf einer hoehenlinie zu verlegen und so gehts auch immer wieder runter, hoch, runter, hoch. irgendwann ist dann die baumgrenze erreicht und es geht steil nach oben ueber geroell.
DSC_0738.jpg
der pass ist schon von weitem gut sichtbar und mit jedem meter hoehe, freuen wir uns mehr und mehr und sind gespannt, auf die aussicht. wir haben grosses glueck mit dem wetter: blauer himmel und kaum wind. es kommt nicht selten vor, dass man fuer den pass mehrere anlaeufe braucht. nach drei stunden haben wir den pass erreicht und ein wirklich berauschender ausblick eroeffnet sich. vor uns breitet sich der gletscher grey aus und dahinter die schneebedeckten berge der anden. ausser roman und uns gibt es weit und breit keine menschenseele. wir fuehlen uns, als wenn wir den mount everest erklommen haben - ein tolles gefuehl...
P1030288.jpg
der abstieg entwickelt sich zu einer einzigen anstrengung - das ist wirklich sport. es geht ueber stock (grosse stoecker) und stein (grosse steine) und stufen, ohne ende grosse hohe stufen, so steil, dass man manchmal rueckwaerts gehen muss. es ist kein ende absehbar und irgendwann halten wir an, weil wir einfach nicht mehr koennen. nach einer pause (salami und weissbrot zum fuenften mal, glaube ich), gehen wir weiter. runter, runter, runter. nach gut zwei stunden abstieg erreichen wir das pass camp. wir baden unsere schmerzenden fuesse fuer ein paar sekunden im eiskalten fluss, sonnen uns ein bisschen und entscheiden uns nach einer langen pause, die drei stunden zum naechsten camp weiterzugehen. es ist ja erst kurz vor zwei.
es geht genause weiter, wie vom pass runter: hohe stufen, steine, wurzeln. "weg" kann man das beim besten willen nicht nennen und wir koennen wirklich keinem raten, den pass im uhrzeigersinn des circuito zu ueberqueren. immer am rande des durch die baeume schimmernden gletschers lang geht es durch zwei "depressionen", die uns den letzten nerv rauben.
DSC_0804.jpg
DSC_0818.jpg
das camp, auf dass wir uns seit acht stunden freuen, war leider nicht ganz so schoen wie wir dachten: angeblich mit tollem blick auf den gletscher finden wir uns in einem eher duesteren wald wieder, mit einem hinweischild zum 10min entfernten aussichtspunkt. so hatten wir uns das nicht vorgestellt! wir wollten fuer diese tortour wenigsten mit gletscherblick vom zelt belohnt werden. wir sind voellig fertig und ueberlegen, weiter zu gehen. eine stunde weiter talwaerts gibt es ein grosses camp mit huette, warmen duschen, coca-cola und bier, kurz: zivilisation. und uns wurde gesagt, dass man von dort wirklich den blick auf den gletscher hat. zum erstaunen der anderen setzen wir unsere rucksaecke wieder auf und laufen mit schmerzverzehrtem gesicht weiter. nach einer zehnstuendigen etappe erreichen wir camp grey - und wir sind im himmel: ein zeltplatz mit privatem tisch direkt am gletschersee, warme duschen (dermassen rottig, aber in dem moment so egal), perfekter sonnenuntergang und cola und bier.
DSC_0839.jpg
zum abendessen machen wir uns fertigfutter "rindergulasch nach foersterin art" und schauen von einem zum anderen ohr grinsend auf die vorbeischwimmenden eisberge.
DSC_0856.jpg

4. tag

aua! alles tut weh! das zelt ist nass von innen, es ist kalt draussen, heute bleiben wir etwas laenger liegen - bloss nicht bewegen! halb neun schaelen wir uns raus und essen zivilisiertes fruehstueck in der herberge...hmm - rueherei!
unsere lust, weiterzulaufen, haelt sich in grenzen, aber wir muessen weiter. mit dem camp gray beginnt der teil des "w", d.h. man trifft viel mehr touristen und frisch duftende tagesausfluegler. wir sehen inzwischen ziemlich eingesaut aus und das bisschen t-shirt auswaschen im eiskalten flusswasser bringt es auch nicht wirklich.
unsere essensrationen sind so eingeteilt, dass wir im naechsten refugio paine grande unsere pausensnacks aufstocken muessen. zu unserer verblueffung ist alles geschlossen: mittagspause bis um vier. wie wir festellen muessen alles nur faulheit der betreiber, denn die offiziellen oeffnungszeiten sind durchgaengig. carsten fragt einen der jungs dort, ob er uns vielleicht etwas zu essen verkaufen koennte. als antwort bekommt er ein schulterzucken und so etwas wie "pech gehabt, muesst ihr bis zum abend warten". das ist suedamerika. da wir aber nicht bis zum abend warten koennen, machen wir uns an unsere notreserven ran, zum glueck haben wir fuer fruehstueck und abendessen genug mitgenommen.
DSC_0872.jpg
ein hightlight gibt es trotzdem: ein guanaco spaziert in aller seelenruhe an uns vorbei. davon haben wir schon ganz viele auf der busfahrt gesehen, aber noch nicht direkt vor uns.
DSC_0869.jpg
ein bisschen lustlos geht es weiter zum camp italiano. der gestrige tag haengt uns noch ganz schoen in den knochen und die beine sind schwer. roman hat probleme mit dem knie, laeuft uns aber trotzdem wieder davon ("man, ist der schnell!") und mein magen revoltiert. wahrscheinlich etwas ueberanstrengung. wir wollen nur noch zum zeltplatz und es geht weiter hoch und runter, hoch und runter....
DSC_0875.jpg
der zeltplatz selbst ist nicht besonders schoen: dunkel und ungepflegt, wenig einladende atmosphaere. auch die anderen scheinen nicht so begeistert zu sein. wir waschen uns und einen teil unserer sachen im wahrscheinlich zwei grad kalten fluss als teil einer mutprobe und machen uns zum abendessen mal wieder spaghetti mit parmesan und bruehe. es faengt an zu regnen, also gehen wir kurz nach acht ins bett.
P1030319.jpg

5. tag

ich werde von einem nagenden geraeusch wach, es ist stockduster, man kann absolut gar nichts sehen und alles fuehlt sich klamm an. die zeltaussenhaut ist klitschnass von innen. carsten hat die ohrenstoepsel drin (der fluss rauscht zu laut - zuviel natur fuer ihn ;-). ich mache ihn wach und wir stellen fest, dass die essenstuete angenagt ist. maeuse! widerwillig steht carsten auf und haengt die tuete an einen baum. wir legen uns wieder hin, die maus kommt nochmal kurz vorbei, verschwindet aber wieder. ich schlafe wieder ein, waehrend es in regelmaessigen abstaenden auf meinen schlafsack tropft.
drei stunden spaeter wachen wir wieder auf. draussen ist alles nass und dreckig von der von den regentropfen hochgespritzten erde. die stimmung ist gedrueckt, wir sind eine weile beschaeftigt, ueberall den dreck abzuwischen und den kocher in gang zu setzen. es gibt tee und muesli.
DSC_0891.jpg
ohne gepaeck machen wir uns auf den weg in das tal "frances", das mittelstueck des "w". es ist ein wunderschoenes tal, mit einem reissenden fluss, den torres auf der einen seite und gletscherbedeckten bergen auf der anderen. ab und zu kracht es laut, dann folgt ein grollen, aehnlich einem donner, dann kann man sehen, wie die abgebrochenen gletscherstuecke ins tal rieseln. es schon imposant, was da fuer kraefte wirken.
DSC_0909.jpg
eigentlich sollte uns der anstieg zum nur eine stunde entfernten aussichtpunkt ohne rucksaecke sehr leicht vorkommen aber heute fehlt uns irgendwie die energie und der weg ist mal wieder voellig unwegsam und steil. aber die muehe lohnt sich, denn die aussicht ist wirklich berauschend. inzwischen ist auch die sonne rausgekommen und der park praesentiert sich wieder in all seiner farbenpracht. das ist das schoene am torres del paine, das staendig wechselnde wetter und die sich immer wieder aendernden farben.
DSC_0901.jpg
zurueck im camp sammeln wir unsere sachen ein und machen uns etwas unmotiviert auf zur naechsten herberge, zum camp cuernos, einem etwas groesserem zeltplatz. das camp kommt schnell in sichtweite, trotzdem muessen wir noch mindestens 1 1/2h einen anstrengenden weg entlanglaufen, auf dem die steine so rund sind, dass sie einem unter den schuhen immer wegrutschen. ich bekomme aus heiterem himmel einen krampf im rechten pomuskel(!?), der bei jedem anstieg zieht. irgendwie laeuft es bei mir heute nicht. sogar roman ist inzwischen noch langsamer als wir - mit seinem knie muss es wirklich schlimm sein.
die ankunft im camp cuernos zaubert wieder ein laecheln auf unsere gesichter: es gibt von bueschen umschlossene zeltplatznischen mit baenken und tischen und warme duschen (besser und sauberer als in manchem hostel). wir haengen alle unsere sachen zum trocknen auf, lassen das zelt trocknen und geniessen, frisch geduscht und beim fertigfutter "indisches curryhuhn" die letzten sonnenstrahlen. zum ersten mal warten wir, bis wir den sternenhimmel sehen und der ist wahnsinn! - der ganze himmel voller sterne! ;-)
DSC_0917.jpg

6. tag

eine extrem aufdringliche maus haelt uns in der nacht wacht. nachdem sie erst unsere rucksaecke angenagt hat, rumort sie in der tuete fuers zelt rum und laeuft ueber unser innenzelt - tap tap tap tap tap. das essen und die rucksaecke haengen wir an einen baum, trotzdem gibt sie keine ruhe. als ich gerade einschlafen wollte und mein kopf zu dicht an der zeltwand liegt, nimmt sie diesen als sprungbrett, um ueber das zelt zu laufen. ich bin wieder hellwach - so ein mistvieh!
nach einer unruhigen nacht wachen wir auf. es ist noch kaelter und noch feuchter als am tag zuvor. obwohl es nicht geregnet hat, sind unsere schlafsaecke nass von aussen. obwohl sie an einem baum hingen, waren unsere teuer erstandenen snacks alle angenagt - wir glauben, dass die hier die maeuse extra abrichten, denn so mussten wir alles nochmal kaufen. wir waren aber nicht, die einzigen, denen es so erging.
wir packen die nassen sachen ein; jetzt spielt es auch keine rolle mehr, die letzte nacht werden wir schon irgendwie ueberleben. in der herberge nehmen wir ein kraeftigendes fruehstueck zu uns - die zweite bezahlte mahlzeit, die wir uns auf der gesamten tour goennen.
mit unseren vor naesse schwereren rucksaecken machen wir uns auf zur letzten grossen etappe: der lange aufstieg zu den torres. die kreuzenden hoehenlinien auf der karte lassen erahnen, dass das kein vergnuegen wird, trotzdem freue ich mich, denn jetzt ist das ziel ganz nah.
DSC_0942.jpg
roman muessen wir leider mehr oder weniger "zuruecklassen". sein knie macht ihm zu grosse probleme und er wird direkt zur hosteria los torres, von welcher der bus zurueck nach puerto natales faehrt.
es wird wirklich richtig anstrengend. wir muessen staendig anhalten, um zu verschnaufen. es ist einfach nur steil und dazu noch ganz schoen warm. ich bin ganz guter dinge, weil wir trotz allem recht gut vorankommen. carsten flucht, er traegt ja auch das nasse zelt....rauf, rauf, rauf, rauf....ueber stock und stein.
unser weg stoesst irgendwann auf den hauptweg zum aussichtspunkt. hier trifft man auf lauter tagestouristen, die u.a. mit feinstrumpfhosen, in lederjacken, mit handtaeschchen, sandalen sich hochquaelen. irgendwie beneide ich sie ein bisschen dafuer, dass sie diese anstrengung nur fuer einen tag haben und abends wieder im warmen stuebchen sitzen koennen. auf der anderen seite ist es auch ein gutes gefuehl, zu wissen, dass wir das hier alles aus eigener (willens-)kraft schaffen.
DSC_0945.jpg
auf dem mit sieben stunden veranschlagten weg machen wir nur eine kurze pause. wir wollen einfach nur noch ankommen. neben mir packt ein oesterreicher einen apfel und eine flasche cola aus. ich merke, wie mir das frische essen fehlt. carsten sagt, er fuehlt sich wie ein esel: die trinken auch immer nur wasser :-)
nach 5 1/2h erreichen wir den letzten zeltplatz, 45min vom finalen aussichtspunkt entfernt. von hier kann man noch nichts sehen. erstmal packen wir alles aus und breiten die sachen zum trocknen in der nachmittagssonne aus. es wird schnell kalt, der zeltplatz fuellt sich mit leuten, wir treffen die israelis wieder und ein paar schweizer, die wir unterwegs kennengelernt haben. hier wollen alle nur noch das eine: die torres im licht der aufgehenden sonne rot aufgluehen zu sehen - ein naturschauspiel, das inzwischen extrem gehypt wird. nur wenige haben das glueck, das richtige wetter zu erwischen und viele sind schon nach sieben tagen aus dem park zurueckgekehrt, ohne nur ein einziges mal die torres gesehen zu haben. dem morgentlich wetter der letzten tage nach zu urteilen, rechnen wir uns nicht gerade gute chancen aus, aber abwarten.....
es wird schnell kalt und nach unserem abendbrot (spaghetti in bruehe mit schinkenstreifen) verkriechen wir uns in unsere schlafsaecke.

7. tag

in der nacht stuermt und schneit es. unser wecker klingelt kurz vor sechs, es ist wieder stockduster, nur um uns herum sieht man ab und zu ein paar taschenlampen aufflackern. wir bleiben liegen, weil wir keinen sinn sehen, bei bewoelkung im dunkeln den berg hochzuklettern. die schweizer, mit denen wir uns fuer den aufstieg verabredet haben, wecken uns wieder und sagen uns, dass der himmel sternenklar ist. unglaeubig gucken wir raus und es stimmt!! in aller hast ziehen wir uns die sachen ueber die schlafsachen, schnappen den schon gepackten rucksack, taschenlampe und kamera und stiefeln los.
zu viert mit nur zwei lampen kaempfen wir uns durch den wald den steilen hang hoch, bis wir an ein riesiges geroellfeld kommen und den weg verlieren. irgendwo dort oben muss der aussichtspunkt sein, man kann vereinzelt ein paar stirnlampen sehen. auf allen vieren klettern wir ueber das geroell, rutschen aus, treten steine lose, schwitzen und frieren zugleich, weil der starke wind uns schneegraupel ins gesicht weht. wir wissen alle, dass das, was wir hier machen eine voellig hirnlose und vor allem gefaehrliche aktion ist - und wir klettern trotzdem weiter.
irgendwann sind wir erschoepft oben, mit uns zwei dutzend andere kletterer, alle unter geroellbrocken sitzend und den sonnenaufgang beobachtend.
DSC_0965.jpg
P1030347.jpg
wir wechseln unsere durchgeschwitzten sachen, mummeln uns ordentlich an, machen es uns mit kaffee aus der thermoskanne (danke, schweiz!) bequem und warten darauf, dass die sonne die wolken von den vernebelten torres wegheizt. ab uns zu schneit es, dann reisst die wolkendecke mal wieder auf und fuer einen kurzen moment sieht es so aus, als wenn wir glueck haben sollten: der untere teil leuchtet von der sonne angestrahlt leicht roetlich. man kann ahnen, was fuer ein toller augenblick es sein muss, wenn der ganze berg rot glueht. diese warme farbe in einem extrem rauen und ungemuetlichen klima - ein widerspruch an sich.
DSC_0978.jpg
wir harren lange aus, hinter uns blauer himmel, doch die torres huellen sich weiterhin in nebel....
irgendwann machen wir uns an den abstieg, diesmal auf dem richtigen weg. von jetzt an wollen wir nur noch runter. zurueck am zelt packen wir hastig unsere sachen zusamen, essen die letzten kekse zum fruehstueck und machen uns an den abstieg. so schnell waren wir noch nie. in 1 1/2 stunden sind wir unten an der hosteria los torres, mit langen schritten und einem breiten grinsen. dort sind auch schon die isrealis und die schweizer lassen auch nicht lange auf sich warten. alle sind gluecklich, endlich am ziel zu sein, es herrscht eine ausgelassene stimmung.
auf der busfahrt aus dem park heraus reisst auch endlich die wolkendecke ueber den torres auf und wir sehen sie zum abschied nochmal vom weiten in ihrer ganzen pracht. es wirkt ein bisschen wie hohn auf uns. wir ganz schoen stolz, dass wir das alles erlebt und vor allem auch geschafft haben und es gibt noch ein glueckliches abschiedsfoto.
DSC_1023.jpg

Posted by agentin b 11:25 Archived in Chile Comments (0)

into the wild

"base camp" puerto natales - es geht los

storm 10 °C

dienstag morgen, 6:30. in einer halben stunde kommt der bus, um uns in den nationalpark torres del paine zu bringen. jetzt sind wir doch ganz schoen aufgeregt! sieben tage laufen, keine feste unterkunft, kein supermarkt, keine heizung - nur natur, natur, natur. und wir mittendrin. unsere rucksaecke sind gepackt, hauptsaechlich mit essen. zwei sets klamotten muessen reichen fuer die ganze tour: das, was nass wird und was warmes fuer abends. der wetterbericht ist haarestraeubend: kaelter, als ueblich zu dieser jahreszeit, die ersten zwei tage regen und schnee. wir motivieren uns damit, dass der wetterbericht hier sowieso nicht funktioniert...
carstens rucksack wiegt 18kg, er traegt das zelt. meiner weigt 11kg :-) dazu kommt fuer jeden ein liter wasser. wir hoffen, dass wir durch das essen im laufe der tage noch einiges an gewicht verlieren. viele leute werden wir nicht treffen. der ort wirkt schon etwas ausgestorben und man merkt, dass die saison vorbei ist.

also, bis bald - und denkt an uns, wenn ihr die heizung aufdreht, unter der warmen dusche steht und in eure frisch gewaschenen klamotten steigt.

Posted by agentin b 22:56 Archived in Chile Comments (2)

(Entries 1 - 3 of 5) Page [1] 2 » Next